Rückenschmerzen können nach einer ungewohnten Belastung plötzlich auftreten oder sich über Monate entwickeln. Oft lässt sich ihre Stärke nicht unmittelbar aus einem bildgebenden Befund erklären. Veränderungen an Bandscheiben, Wirbelgelenken, Muskeln und Nerven können beteiligt sein, ebenso Bewegungsgewohnheiten oder psychische Belastungen. Vor allem bei länger bestehenden Beschwerden reicht es daher nicht aus, ausschließlich die schmerzende Körperregion zu betrachten. Für die Behandlung muss zunächst geklärt werden, wie Muskeln, Wirbelgelenke, Bandscheiben oder Nerven mit den Beschwerden zusammenhängen und welche weiteren Faktoren den Verlauf beeinflussen.
Kurzfassung
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Akute Beschwerden haben unterschiedliche Ursachen
Ein plötzlich auftretender Rückenschmerz kann nach schwerem Heben, einer ungewohnten Bewegung oder längerer körperlicher Belastung entstehen. Umgangssprachlich wird bei starken Schmerzen im unteren Rücken häufig von einem Hexenschuss gesprochen. Als Ursache kommen unter anderem gereizte Wirbelgelenke, verspannte Muskeln oder Veränderungen an Bandscheiben und Nerven infrage.
Die Schmerzstärke allein erlaubt noch keinen sicheren Rückschluss auf deren Ursache. Starke Beschwerden müssen nicht zwangsläufig auf eine schwere Schädigung der Wirbelsäule hinweisen. Umgekehrt können Veränderungen an der Wirbelsäule längere Zeit bestehen, ohne signifikante Schmerzen hervorzurufen. Eine medizinische Einordnung berücksichtigt deshalb den Verlauf, mögliche Auslöser, die Beweglichkeit sowie weitere körperliche Befunde.
Bandscheibenbefunde benötigen eine klinische Einordnung
Bandscheiben liegen zwischen zwei Wirbelkörpern und verteilen Belastungen innerhalb der Wirbelsäule. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe aus dem Inneren der Bandscheibe nach außen in den Spinalkanal. Reizt dieses Gewebe eine benachbarte Nervenwurzel, entstehen neben Rückenschmerzen auch ausstrahlende Beschwerden in Arme oder Beine.
Ein auffälliger Befund in der Bildgebung erklärt jedoch nicht automatisch sämtliche Beschwerden. In vielen Fällen finden sich Bandscheibenvorfälle auch bei rückenschmerzfreien Patienten. Bei der medizinischen Beurteilung wird deshalb geprüft, ob die sichtbaren Veränderungen zu Art und Verlauf der vorhandenen Beschwerden passen. Neurologische Untersuchungen können zeigen, ob Empfindungsstörungen, Veränderungen der Muskelkraft oder Auffälligkeiten der Reflexe bestehen.
Bestimmte Symptome erfordern eine rasche ärztliche Abklärung. Dazu gehören neu auftretende ausgeprägte Lähmungserscheinungen sowie Störungen der Blasen- oder Enddarmfunktion. Solche Beschwerden unterscheiden sich von den verbreiteten Rückenschmerzen ohne schwerwiegende neurologische Ausfälle.
Chronischer Schmerz verändert die Ausgangslage
Bei länger als 3 Monaten bestehenden Schmerzen kommt es zu einer Veränderung der Schmerzverarbeitung im Rückenmark und Gehirn. Schmerzen weiter wahrgenommen, obwohl der ursprüngliche körperliche Auslöser längst überwunden ist. Bewegungsvermeidung, Angst vor weiteren Schmerzen und Schlafstörungen können die Beschwerden zusätzlich verstärken.
Psychische Faktoren bedeuten nicht, dass Schmerzen eingebildet sind. Anhaltender Schmerz verändert die Stimmung und beeinträchtigt den Schlaf. Stress und psychische Belastungen verstärken wiederum die Wahrnehmung fortbestehender Schmerzen. Diese Zusammenhänge erklären, weshalb bei chronischen Verläufen mehrere medizinische Fachrichtungen an einer Therapie beteiligt sind.
Frühere Diagnosen und aktuelle Beschwerden zusammen betrachten
Vor der Behandlung steht die möglichst genaue Zuordnung der Beschwerden. Frühere Diagnosen, Operationen, Medikamente und bisherige Therapieversuche liefern Hinweise darauf, welche Maßnahmen bereits durchgeführt wurden und wie der Körper darauf reagiert hat. Hinzu kommen körperliche Untersuchung und, sofern medizinisch erforderlich, vorhandene bildgebende Befunde.
Bei einer fachübergreifenden Schmerztherapie für den Rücken werden Befunde aus Neurochirurgie und Anästhesiologie mit schmerzmedizinischen und psychotherapeutischen Einschätzungen zusammengeführt.
Nicht jeder Faktor, der Schmerzen verstärkt, ist zugleich deren ursprüngliche Ursache. Ein Bandscheibenerkrankung kann beispielsweise neben Bewegungsmangel, Muskelabbau oder psychischen Belastungen bestehen. Das heißt, verschiedene Faktoren tragen zum Gesamtschmerzgeschehen bei und müssen separat therapiert werden.
Konservative Verfahren bei Rückenschmerzen
Konservative Behandlungen erfolgen ohne chirurgischen Eingriff. Bei Rückenschmerzen können Medikamente, Physiotherapie beziehungsweise Krankengymnastik und Infiltrationen eingesetzt werden. Schmerzmittel sind für die Behandlung von Beschwerden vorgesehen; ausgewählte Wirkstoffe finden Anwendung bei entzündlichen Prozessen. Bei einer längerfristigen Einnahme sind Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen ärztlich zu kontrollieren.
Physiotherapie umfasst Übungen zur Beweglichkeit, Muskelkraft und körperlichen Belastbarkeit. Bei Bewegungseinschränkungen oder einem Rückgang der körperlichen Aktivität können krankengymnastische Übungen gezielt auf die festgestellten Einschränkungen abgestimmt werden.
Infiltrationen unterscheiden sich von einer allgemeinen medikamentösen Behandlung. Das Medikament wird hierbei gezielt unter Röntgenkontrolle in den vorher definierten Zielbereich eingebracht. Bei chronischen Rückenschmerzen werden mehrere Behandlungsformen miteinander kombiniert. Eine multimodale Therapie kann beispielsweise medizinische Behandlung, Bewegungstherapie und psychotherapeutische Verfahren umfassen.
Neuromodulation bei ausgewählten Schmerzformen
Bei chronischen Schmerzen kann in ausgewählten Fällen eine Neuromodulation geprüft werden. Der Begriff bezeichnet medizinische Methoden, die auf eine Unterbrechung der Schmerzleitung im Rückenmark zielen und dafür gezielte elektrische Impulse, ähnlich einem Herzschrittmacher einsetzt. Ob eine solche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem von Schmerzart, Beschwerdedauer, bisherigen Therapien und neurologischen Befunden ab.
Fazit
Rückenschmerzen können auf sehr unterschiedliche körperliche Ursachen zurückgehen. Ein Befund an Bandscheiben oder Wirbelgelenken erklärt die Stärke und Dauer der Beschwerden jedoch selten vollständig. Bei der medizinischen Beurteilung werden deshalb Symptome, körperliche Untersuchung und vorhandene Bildgebung miteinander abgeglichen. Bestehen Schmerzen über längere Zeit, müssen auch Veränderungen der Schmerzverarbeitung, des Bewegungsverhaltens, des Schlafs und psychische Belastungen berücksichtigt werden. Die Behandlung richtet sich anschließend nach den festgestellten Ursachen, möglichen Begleitfaktoren und bereits erfolgten Therapien.
